Revanche

Rauken

Die Kleine Oma hatten sie sorgfältig in den Sarg gebettet. Am Kopfende waren Kerzen entzündet worden, und ringsum, wo sonst Tische und Stühle standen, lagen jetzt Blumen und Gebinde. Mitten im Raum der Sarg, die störenden Möbel im Flur aufgebaut, und jeder, der kam, Abschied zu nehmen, musste sich hindurchzwängen. Es kamen nicht viele. Nachbarn, die Hausbewohner und natürlich der Pfarrer. Er war bereits am Abend zuvor da gewesen, hatte die Letzte Ölung vorgenommen, eine Handlung, die das Kind Vroni mit stummem Entsetzen verfolgte. Ihm schien, dass mit dieser Zeremonie der Lebende in den Tod gestoßen wurde. Wer schon getraute sich, nach einer Letzten Ölung weiterzuleben. Barfüßig mussten die so Gesalbten den kümmerlichen Rest ihres Lebens verbringen, und nicht wenige erschraken während der Salbung so sehr, dass ihnen vor Angst das Blut stockte und sie ihr Herz anhielten. Ein Danach war unchristlich und gegen den Strom des Lebens, schließlich bot dieses Sakrament die Stärkung, sich im Tode der Gnade Gottes überantworten zu können. Der stand schon da, mit helfender Hand, und die durfte nicht ungestraft zurückgewiesen werden. 

Die Kleine Oma tat es auch nicht, glitt hinüber mit einem Seufzer, der die Umstehenden schaudern ließ, und erst die tatkräftige Gemeindeschwester löste die Erstarrung. Sie wickelte einen perlmuttfarbenen Rosenkranz um die Hände der Verstorbenen, fesselte sie so zusammen, dass die Tote zu beten schien. Eine Nacht noch aufgebahrt und von stillen Besuchern beäugt, lag sie klein und hell wie Pergament auf einem Spitzenkissen, dann wurde das Zimmer gesäubert, und jeder im Haus ging seiner Arbeit nach, mit größerem Eifer als zuvor. 

Wer die Kleine Oma war, wusste Vroni nicht. Sie hatte eben dazugehört, verbrachte die Tage und Nächte in ihrem Zimmer, meist am Fenster, man brachte ihr Essen und nahm die schmutzige Wäsche mit. Das alles erledigte das Dienstmädchen. Nur dass die alte Frau keine Verwandte war, jedoch zur Familie gehörte, wusste Vroni. Nicht, woher sie kam, nicht einmal, welchen Namen sie hatte. Sie war nur selten zu ihr gegangen, denn alle sagten, die Kleine Oma sei wunderlich. Vroni fürchtete sich nicht vor ihr wie die anderen Kinder des Hauses, sie fand die alte Frau ganz einfach nur langweilig, weil sie stets am Fenster saß und kaum sprach. Dass sie von ihr eine Puppe bekommen hatte, mit rundem, glattem Gesicht, vergaß Vroni manchmal, denn das Spielzeug setzte sie an ihr Fenster und ließ es hinausblicken, wie die alte Frau es tat. 

Nach deren Tod nahm Vroni das Geschenk von der Fensterbank, legte es in einen alten Schuhkarton, der, ausgestattet mit einem weißen Kissenbezug, wie ein kleiner Sarg dastand, bastelte aus den kleinsten Knöpfen, die sie fand, einen Rosenkranz, der sich jedoch nur mühsam um die Plastikhändchen wickeln ließ. Vroni schob den Karton in eine Ecke und sah nur manchmal danach, beruhigt, dass sich die Wangen der Puppe rund und glänzend zeigten. Sie war sicher, die Kleine Oma in ihrem Sarg würde genauso aussehen, für alle Zeit. 

Die Puppe überdauerte die Tote nicht lange. Ein Stoß gegen den Karton, ihn unter das Bett oder den Schrank zu schieben, wäre ein Leichtes gewesen, doch manchmal vergaß sie einfach, dass er zerstören wollte. Und die Puppe war schon vernichtet, ehe er sie zertrat mit seinen Stiefeln. Sie war zerstört, wie alles, was sie jemals von Nachbarn oder Tanten bekommen hatte. Viel war es nicht, bloß nicht das Herz daran hängen, an kein Buch, keine Farbstifte und an keinen Ball. Er, der Vater, kam in ihr kleines Zimmer mit seinen schweren Stiefeln, fasste sie mit diesen hellblauen Augen, fasste nach allem, was umherstand oder -lag, entdeckte die Puppe, zertrat sie mit einem Aufstampfen. So, das war die Strafe, weil sie nicht geantwortet hatte, als er nach ihr rief. Kein Widerwort! Die Splitter der Puppe ab ins Feuer, den Karton mit dem lächerlichen Knopfkranz hinterher. Und wehe, ich sehe Tränen, dann gebe ich dir einen Grund zum Heulen! So ein Gestank. So ein fürchterlicher Gestank! 

Er schlägt nach ihr, weil es nach Plastik riecht, weil sie weint, weil er im Wirtshaus Ärger hatte, weil sie ihn ansieht mit seinen Augen. Eine nichtsnutzige Kreatur ist sie! Ihretwegen hat er dableiben müssen, in diesem Kaff, ihre Mutter und den ganzen Kropf von Verwandten am Hals, allen voran den Alten, der auf seinem Geld hockt und sowieso die anderen bevorzugt! Und noch einen Faustschlag! Sie duckt sich, er aber trifft immer. 

Sie ist sechs Jahre alt und seit wenigen Monaten in der Schule. Zeig mir die Hefte! Was soll das Gekritzel! Jetzt werde ich dir zeigen, wie man schreibt! Der Buchstabe S. Sie kann ihn. Doch nicht, wie er es sehen will. Also holt er das Messer, der Schaft aus Hirschhorn, und schlägt auf ihre Hand, auf die Finger, bis sie weich sind wie der Buchstabe. Jetzt zittert auch ihr Rücken, das macht ihn richtig wütend, und er hält das Messer zwischen die Schulterblätter. Ein falscher Bogen, und sie wird spüren, was passiert, wenn sie ihn so ärgert. Das Kind spannt alle Muskeln, schiebt die Kraft in die schmerzende Hand, schreibt weicher als jemals zuvor den Buchstaben S, schreibt ihn über zwei Heftseiten, ohne auch nur einmal abzusetzen. Das Messer am Rücken ist weg, er aus dem Zimmer gegangen. Für heute hat sie Ruhe vor ihm, dennoch schreibt sie weiter. Noch immer liegt der Gestank des verbrannten Kunststoffes in der Luft. 

Der Tod hat seinen Geruch. 

Tage nach dem Hinscheiden der alten Frau war das Zimmer gründlich gereinigt worden, und für die Großmutter wurde eine Nähstube eingerichtet. Die Möbel hatte Ivan, der russische Kriegsgefangene, auf den Speicher gebracht. Es war plötzlich ein neuer Raum entstanden, ohne dass auch nur eine Wand verrückt oder gestrichen worden war. Vroni, die so gerne ihrer Großmutter beim Nähen zugesehen hatte, betrat den Raum nicht mehr, und die alte Frau forderte sie auch nicht dazu auf. Vorbei war ihr Spiel mit den Knöpfen, den kleinen Schätzen, die bunt und glitzernd in einer Holztruhe lagen. Es waren Edelsteine, die sie gefunden hatte, weit draußen in Großvaters Wald, und sie konnte Geschenke damit kaufen für die Schwester und den Bruder, für Cousinen und Cousins, jeder bekam, was er an Wünschen hatte. Bis das Schaufenster vom Laden nebenan ganz leer war und alle ihr, Vroni, die Hände weich und dankbar drückten. Große, gute Vroni! Hatte für alle ein Geschenk, und immer noch war ein Edelsteinknopf für jemanden übrig. Auch für ihren Vater. Er sollte sein Motorrad bekommen. Weit weg würde es ihn fahren, mitten in den Wald vom Großvater, und würde er den Weg nicht zurückfinden, dann hätte sie keine Schuld daran. Er wünschte sich doch so sehr ein Motorrad. 

Einen Knopf aber trug sie immer bei sich, dieser war für Pierre. 

Verboten war es, am Ufer der Iller zu spielen. Verboten, zum Haus am Rande des Dorfes zu gehen. Dem Haus mit den dunklen Schindeln und hohen Fenstern. Gottlos lebten die Leute dort, ohne Kreuz über dem Eingang oder in der Diele. Pierre, der Junge. Ein Verwachsener, ein Krüppel. Seine Eltern, die einzige Fabrik weit und breit in ihren Klauen. Und dann: die russische Großmutter! Aber Vroni hatte ihren Knopf bei sich, so war Pierre ein verzauberter Prinz, ein Schlossherr, ein Sonnenstrahl, denn kam sie in die Nähe des Hauses, lag Musik auf den Kieswegen, schwang sich am Efeu hoch in alle Zimmer, empfing sie schließlich mit der Wärme eines großen, weichen Kissens. Pierre kannte ihre Schritte, öffnete weit die hohe Tür. Heute ist er Mozart. Tamtam. Hat auf seine langen Locken weißen Puder gestreut und sich eine Schleife gebunden. Trägt eine enge Jacke und darunter ein viel zu großes Spitzenhemd, die Ärmel bedecken seine schönen, schmalen Hände. Er spielt Mozart. Sonata facile, 2. Satz, Andante. Hebt und senkt seinen kleinen Körper auf drei Lagen Decken und zappelt mit den Beinen. Nennt sie Stanzerl und befiehlt sie an sein Klavier. Nickt er, blättert sie andächtig zur nächsten Seite. Der Zauber des Hauses schwebt in allen Räumen. Das Bild seiner Mutter. Schön wie die Maria Maienkönigin. Der Vater, ein silberhäuptiger Löwe mit dem Gesicht eines Rehs. Überall Kerzen und Decken aus lauter Rosendüften. Die Treppe in der Halle gehört alleine der russischen Großmutter, Madame Groschenkova. Schmal steht sie oben am Geländer, hat einen Kaftan an, bis zum Boden, und immer einen engen Turban über dem Haar, aus dem gleichen goldfarbenen Brokatstoff, über der Stirn zusammengehalten von einer Brosche aus Perlen. Über die Treppe, über alle Stufen, greift ein alter, graugrüner Philodendron nach ihr, seine braunen Luftwurzeln bewegen sich sacht wie Glocken in einem Turm. Madame erwidert leise den Gruß von Pierre und Vroni. Sie spricht nur französisch mit ihnen, Vroni lauscht dem Klang der Stimme, versteht. 

Madame geht nicht, sie schwebt zurück in ihre geheimnisvollen Gemächer, lässt den schweren Duft eines orientalischen Parfüms wie eine glitzernde Wolke zurück, und Pierre will eine Geschichte hören von seiner Freundin. Bitte, sie kennt doch keine Geschichten, er soll weiterspielen, bis sie alles in sich hat von Mozart. Aber er schüttelt weißes Puder aus den Haaren, hängt die Locken zum Fenster hinaus, wirft Jacke und Spitzenhemd in die Ecke. Der enge Pullover darunter zeichnet seinen schmächtigen Körper ab, auf dem Rücken den Buckel wie ein verrutschtes Schneckenhaus. Vroni hält ihren Knopf fest in der kleinen Hand, und da ist er wieder, ihr Prinz. Also, wenn schon keine Geschichte, dann muss sie von ihrer Familie erzählen, vom Großvater oder den Tanten, egal, er hat keinen Großvater mehr und keine Tanten und wird sich diese in seinen Gedanken mit ihren Worten schaffen, wenn er alleine die Nachmittage verbringt. Da ist Tante Ronda. Fast so schön wie deine Mutter, Pierre. 

Weiter. 

Sie kann keine Kinder bekommen, so hat der Großvater das Kind der anderen Tante weggenommen, weil er Ronda doch so mochte und nicht ertragen konnte, dass sie traurig war. Das ist Cousine Armanda, und sie kann zugleich weinen und lachen, es kommt daher, dass sie zwei Mütter hat.

Weiter.

Dann wurde die andere Tante sehr, sehr traurig, doch der Großvater hat den Vater, den richtigen Vater von Armanda, fortgeschickt, und ihr einen anderen Mann gegeben. Jetzt hat sie mit ihm zwei neue Kinder, einen Jungen und ein Mädchen, und weint nur noch, wenn sie Armanda sieht.

Weiter.

Auch meiner Mutter hat der Großvater den ersten Mann weggenommen, den Vater meines Bruders, weil er so bettelarm war wie eine Kirchenmaus. Und der neue Mann, das ist mein Vater, aber den mag er auch nicht.

Weiter.

Nein, nicht weiter. Ein andermal. Dann, wenn du wieder Mozart spielst und dir Puder aus dem Haar schüttelst. 

So waren die Stunden im verbotenen Haus. Sie vergaß den harten Tritt von Vaters Stiefeln, seine gespannte, knochige Faust, die schlug, was sich ihr näherte, ihr eigenes Weinen und den Geruch des Todes. Sie schaute auf Pierre. Sein schiefer Gnomenkörper wurde geheilt durch seine Hände und durch seine Musik. Sie hörte mit ihrer Haut, sah, wie sie sich zusammenzog, weinte das stumme Weinen der nicht gefundenen Worte.

Rosenhain

 

Das Salz kommt von den Tränen der Fische! Der Notar Johan Bengte hatte es Bo nachgerufen, als sie schon im Flur des Nachlassgerichtes stand. Ihr sagte diese Bemerkung ebenso wenig wie alles andere, was er ihr zuvor mitgeteilt, nein, vorgetragen hatte. Denn Bengte war der Rezitator und sie seine Zuhörerin. Das Stück hieß Testamentseröffnung, er aber hatte heute kein dankbares Publikum. Bo zeigte sich weder gerührt noch demütig, noch war ein habsüchtiger Zug in ihrem Gesicht zu entdecken gewesen. Nur Ungläubigkeit, Unverständnis und Zweifel. Schnell hatte der Notar das Interesse am Spiel verloren und die Amtshandlung mit entschlossener Eile vollzogen. Sie sei Erbin. Ihr Großvater Sverre Grote habe ihr ein beträchtliches Vermögen hinterlassen, und da sie die einzig bekannte Nachfahrin sei, könne sie das Erbe annehmen – oder auch nicht. Er wippte dabei mit den Zehenspitzen, und obwohl er wieder sicher auf den Fersen landete, flogen die Papiere zu Boden. Schnell stopfte er alles in ein großes Kuvert und bemühte sich nicht einmal mehr, freundlich zu sein. Sie unterschrieb.

Bo Grote hatte ihre scheinbare Gleichgültigkeit mit einiger Mühe gespielt. Was gingen den Notar ihre Gefühle an. Sie hatte seine großspurige Generosität von Anfang an nicht gemocht, sollte er doch Ergriffenheit bei denen suchen, die ihm feuchte Blicke zuwarfen und deren Trauerkleider tausend Taschen hatten. Sie war gekommen, das Erbe abzulehnen. Dass sie es sich anders überlegt hatte, lag an ihrem Trotz. Und den Fakten.

Jetzt umklammerte sie den Umschlag, der wegen seiner Größe nicht in ihren Stoffbeutel passte, und die Neugier überkam sie wie ein wilder Hunger. Nur mit größter Anstrengung riss sie das Kuvert nicht schon unter dem Torbogen des Nachlassgerichts auf. Selbstbeherrschung hatte sie ihr Vater gelehrt, der Neugier verabscheut und es entschieden abgelehnt hatte, spontanen Wünschen nachzugeben. Wer dem Teufel auch nur den kleinen Finger reiche, verliere nicht nur die ganze Hand, sondern vor allem seine Seele. Ihr Vater fehlte ihr. Seine liebevollen Erziehungsversuche hatten oft genug an der Eisbude geendet, wo er augenzwinkernd versicherte, der Teufel meide in jedem Fall italienisches Eis, weshalb die Erfüllung solch kleiner Wünsche für die moralische Entwicklung ungefährlich sei. Er hätte gewusst, was richtig oder falsch war, und je länger sie die Straße entlanglief, desto mehr Zweifel überkamen sie, ob sie das Erbe hätte annehmen dürfen. Ihren Großvater hatte sie kaum gekannt. Als er im vergangenen Monat starb und sie das Mobiliar und die persönlichen Dinge aus seiner Blockhütte abholen musste, war ihr, als beginge sie einen Diebstahl. Man hätte die Tradition der Verbrennung persönlicher Gegenstände beibehalten sollen. Selbst wenn einem der Verstorbene nicht nahe stand, wurden Kleidungsstücke, Geschirr oder Kopfkissen zu Fetischen, die nichts als Trauer über den Tod auslösten.

Sie hat darüber den Himmel vergessen. In Norwegen schaut jeder zum Himmel, der aus dem Haus tritt. Schon die ganz Kleinen schauen nach oben und wissen, was er vorhat. Heute hat er viel vor. Seit dem Morgen türmt er Wolken übereinander und wird nicht eher damit aufhören, bis die unterste platzt, damit die Menschen den Blick senken und er sich in Ruhe neue, wunderbare Farben ausdenken kann. Es ist die Zeit, in der man in eines der Restaurants einkehrt. Davon gibt es in Trondheim viele, auch in der Kjopmannsgate. Hier ist sie oft, trifft sich mit Freunden, hatte sich auch mit den Eltern getroffen, die nicht in ihre Wohnung kommen wollten. Ihre Mutter hatte stets vorgegeben, wegen einer Tierfellallergie nicht kommen zu können, obwohl Bo nur eine Schildkröte namens Thor besaß.

Ein heftiger Regenschauer ließ Bo schneller gehen. Weil sie keinen Schirm dabeihatte, war das Kuvert vor Nässe weich geworden. Der Pub im alten Kaufmannshof hatte die Tür weit geöffnet, und in der Loggia war noch ein Tisch frei. Bo liebte es, bei Regen auf den Nidelv zu schauen. Er schien die Wassermengen von oben mit der gleichen stoischen Gelassenheit zu ertragen wie die Geschichte der Stadt.

Den nass gewordenen Umschlag legte sie neben sich auf einen Stuhl, und nachdem der Kellner ihr Kaffee gebracht hatte, löste sie vorsichtig die Schnur, die um eine Art Schneckenklammer gewunden war. Sie ertastete das kleine flache Buch, zog es hervor. Seine Farbe war rot, auf dem Umschlag stand in goldfarbenen Buchstaben auf Deutsch: Sparkassenbuch. Innen Zahlen und das Wort Zinsen, ganz unten der Betrag, den sie schon vom Notar erfahren hatte: Über sechshunderttausend Deutsche Mark. Das sind in Kronen...

Bo hatte noch immer nur eine geringe Vorstellung davon. Schnell schob sie das rote Buch ins Kuvert zurück. Der Kellner stand vor ihr, wollte wissen, was sie zu essen wünsche. Ohne in die Karte zu sehen, nannte sie ein Gericht. Aber als es serviert wurde, stocherte sie vor Nervosität ohne Appetit darin herum. Ihr Großvater sollte ein vermögender Mann gewesen sein? Davon hatte sie nichts gewusst und davon hatte sie in seiner Hütte nichts erahnen können. Klobige selbst gezimmerte Möbel, ein verrußter Ofen und über der dreibeinigen Kiefernholzkommode ein blind gewordener Spiegel. Sie hatte alles in ein Lagerhaus bringen lassen. Auch die Kleidung. Nur einen schweren Fellmantel, der im Winter auf dem Fenstersims liegen könnte, hatte sie sich mit nach Hause genommen. Bo ließ sich die Rechnung geben. Der Kellner schaute fragend auf den Teller, sie zuckte nur mit den Schultern.

Es hatte aufgehört zu regnen. Der Fluss gurgelte und schluckte jetzt doch an seinem ansteigenden Pegel. Sie begleitete ihn ein Stück weit, war in Gedanken aber bei dem Umschlag, aus dem sie bisher nur

das Sparbuch hervorgeholt hatte. Jetzt erst beglückwünschte sie sich lachend dazu, das Erbe nicht ausgeschlagen zu haben. Sicher, ganz sicher hätte ihr Vater ebenso gehandelt. Vielleicht hätte er neue Kirchenbänke bauen lassen. Oder Orgelpfeifen gekauft, einige röchelten schwer unter der Feuchte, die durch das geschwärzte Holz gedrungen war. Sie ist niemandem etwas schuldig. Keiner hat ihr vor sechs Jahren geholfen, als man die Eltern nach dem Unfall fand. Bo blieb stehen. Das Sparkassenbuch stammte aus Deutschland. Großvater Sverre hatte Geld aus Deutschland bekommen. Inzwischen war sie am Busbahnhof angelangt, fuhr nach Hause, nach Lade, dem östlichen Vorort.

Bei Sissel war der rotweiße Sonnenschirm noch aufgespannt. Das bedeutete, dass ihr Laden geöffnet war. In drei runden Körben lagen Äpfel, Birnen und Bananen, daneben stand eine Kiste mit kleinen hellen Kartoffeln, und auf einem alten Fischernetz hatte sie Salat ausgebreitet, der jetzt am späten Nachmittag matt seine Blätter hängen ließ. Bo hatte jetzt doch Hunger und nahm einen Salatkopf mit. Das Herzstück wird sie ihrer Schildkröte zum Fressen geben und wie immer erstaunt dabeisitzen, wenn der kleine Thor schmatzend Teile davon abbeißt und dabei eine, wie von einer Gartenschere abgetrennte, gerade Linie zurücklässt. Den zartroten Lachs habe sie erst am Nachmittag bekommen, sagte Sissel und packte ihn ein, ohne auf das Ja von Bo zu warten. Sissel widersprach man nicht.

Gelassen biss sich Thor durch das Salatherz. Er streckte seinen alten Echsenhals hervor und krallte sich dabei in ein Teppichstück, das ihm Bo zurechtgeschnitten hatte, weil er auf den Holzdielen keinen Halt fand, was sie anrührte und ihr zugleich deutlich machte, dass eine Schildkröte nichts in einer Wohnung zu suchen hat. Thor lebte auf eine langsame Weise, verlangte gerade so viel, wie sie zu geben bereit war. Eine Freundin hatte ihn zur Pflege dagelassen und ihn nicht wieder abgeholt. Thor schien der Wechsel egal zu sein. Für Bo aber war dieses kleine gepanzerte Ding ein Grund, sich in ihrer Wohnung willkommen zu fühlen. Ihr Vater hätte es gerne gehabt, wenn sie nach dem Studium wieder ins elterliche Haus zurückgekommen wäre. Aber Bo verstand sich nicht mit ihrer Mutter. Keiner außer dem Vater verstand sich mit ihr. Als müsste sie ihrer Größe und ihrem Umfang gerecht werden, schlug oder drückte sie alles um sich herum platt und warf so große Schatten, dass nichts gedeihen konnte. Ob es sich um ihre Tochter handelte, die nicht wachsen wollte, oder die Walfischsteaks, die sie beinahe in das Holzbrett klopfte. Verschont, weil sie ihn anhimmelte, blieb der Vater. Er schwebte wie eine Feder durch das Leben der Mutter, und wenn sie ihn umarmte, tat sie es mit einer Zartheit, die Bo nie in ihr vermutet hätte. Zum tödlichen Unfall kam es, weil ein Gasrohr leckgeschlagen oder abgerissen worden war. Genau hatte sich das nicht mehr feststellen lassen, denn das Haus war völlig zerstört worden. Bo stand damals vor den Trümmern, aber wenn sie die Erinnerung daran suchte, sah sie immer nur ihren Großvater, der einen Zweig roter Beeren auf die Steine legte, dann auf sie zutrat, sich vornüber neigte und ihr einen Kuss auf die Stirn gab. Zu der Trauerfeier, an der die Kirchengemeinde geschlossen teilnahm, kam er nicht. Ihr Vater hatte einmal gesagt, es gebe so viele Arten der Trauer, wie es die der Freude gebe.

Ihren Großvater hatte sie danach nie wieder gesehen. Zu sehr war sie mit dem Studium und später mit ihren Unterrichtsvorbereitungen beschäftigt. Beide waren sich immer fremd geblieben, über den Tod hinaus. Zu seiner Beerdigung kamen die, die jeden Tag zum Friedhof gingen, gekannt hatte sie niemanden.

Es gab keinen Grund mehr, den restlichen Inhalt des Kuverts nicht genauer zu besehen. Sie hatte gegessen, das Geschirr weggeräumt, Tee zubereitet und sich eine Decke geholt. So richtig warm wurde es nie in der Wohnung. Das rote Sparbuch lag wie ein Stein auf dem Stapel Blätter. Bo schob es zur Seite, fächerte die Papiere auf. Dokumente, darunter das Kennwort für die Bank: Das Salz kommt von den Tränen der Fische. Neben dem Testament ein gefalteter Brief. Sie glättete ihn, sah, dass er an ihren Großvater gerichtet war und von einer Frau namens Marion Hansen stammte. Ich hoffe, Sverre, stand da, du wirst das Geld, das dir zusteht, annehmen. Es gehört dir, ich habe es für dich angelegt. Alles Weitere erfährst du vom Trondheimer Notar. Wenn du mit mir reden möchtest, findest du mich unter untenstehender Adresse. Sie habe ihn sehr geliebt, lautete der Abschiedsgruß, und hoffe inständig auf Vergebung.

Thor verschlang das Salatherz, ohne Geräusche zu machen, während Bo erstaunt den Namen ihres Großvaters betrachtete und für einen Moment glaubte, es müsse sich um eine Verwechslung handeln. Ihn als Geliebten angesprochen zu sehen, konnte sie sich kaum vorstellen, ihn, den hageren, wortkargen Waldgänger. Sie nahm den Umschlag und sah auf das Datum. Es lagen vier Jahre zwischen dem Brief und Sverres Tod.

Bo wartete einige Tage, dann schrieb sie an jene Marion Hansen aus Hamburg, nachdem sie sich bei Johan Bengte vergewissert hatte, dass man ihr das Erbe unter keinen Umständen mehr nehmen konnte. Der Notar lächelte, als er ihr die Auskunft gab. Sie gönnte ihm den späten Triumph.

Die Antwort kam, als sie sie schon nicht mehr erwartete. Doch Monate später lag ein dickes Kuvert im Briefkasten. Bo erkannte deutsche Briefmarken und ließ sich diesmal keine Zeit, es zu öffnen. Sie las noch auf der Treppe. Liebe unbekannte Bo Grote, ich habe ihren Großvater geliebt – und diese Liebe hat mich gerettet. Hier ist meine Geschichte, unsere Geschichte war es nie und wird es nie mehr sein. Ihre Marion Hansen.

Bo begann zu lesen:

Fisch kaufte ich nur auf dem Großmarkt. In der Frühe des Morgens waren meist nur wenige Menschen unterwegs. Schichtarbeiter, die von der Arbeit auf der Werft zurückkehrten, und müde Verkäuferinnen, auch Zeitungsausträger, die mit ihren schweren Taschen schief und gebückt liefen. Ich liebte diese frühe Stunde. Wartete, bis sich die Tore des Großmarktes öffneten, stand abseits und sah zu, wie die Händler ihre Stände aufbauten. Blumen, Fische, Gewürze, Tee oder Kaffee. Die Tagesangebote standen auf Schiefertafeln notiert. Wer hier kaufte, wusste, was er wollte. Es waren Floristen und Fischhändler, Marktfrauen und Köche, wie Jasper Philip. Und auf ihn wartete ich, stand dort, wo der weiße Lieferwagen seines Hotels jeden Morgen hielt. Dieser Platz wurde freigehalten, auch ohne ein Verbotsschild. Ein dunkelhäutiger Junge, verschlafen und ernst, stand wie ich immer schon da. Er riss die Tür auf, kaum dass Jaspers Wagen angehalten hatte, trug dessen Körbe und schleppte Eisstücke zum Kühlen heran. Dafür bekam er Geld. Ich wusste nicht, wie der richtige Namen des Jun-

gen lautete. Alle nannten ihn Earl Grey, weil er ausschließlich diese Sorte trank. Er genoss seinen Tee, und ich genoss die von Gerüchen erfüllte Luft, trank und aß sie zugleich, biss mich durch diesen großen Gewürzstrauch, bis ich den Sauerampfer, den Klee, die Pfefferminze, den frisch geräucherten Fisch, das Brot und den Honig wiederfand, all das, was auf den langen Bänken in den Obstgärten meiner Eltern aufgebaut gewesen war und wir als Kinder schmecken, riechen und kosten durften. Die Erinnerungen daran füllten meinen Korb, und noch immer glaube ich, dass meine Freude am Kochen allein der Suche und dem Wiederfinden meiner Kindheit dient. Auch Jasper Philip erinnerte mich daran, wenn er majestätisch die schmalen Wege zwischen den Ständen abschritt, deren Ware er wie ein Goldschmied auf Güte und Beschaffenheit prüfte. Nicht ich wähle den Fisch, der Fisch wählt mich, gab er an, wenn er nach seinem Geheimnis gefragt wurde. Er war bei den Händlern geachtet und gefürchtet. Schenkte er einem keine Aufmerksamkeit, tuschelten die anderen, der könne bald zumachen. Zog er einen den anderen vor, standen die Einkäufer dort in langen Reihen an. Jasper Philip war sich nur scheinbar seiner Macht nicht bewusst. Exzentrisch und eitel, entging ihm nicht eine Bemerkung während seines Rundgangs. Manchmal durfte ich in sein Küchenreich, wo er seine Auftritte zelebrierte wie ein Zauberer. Eine Taube aus dem Ärmel, ein Kaninchen? Nicht bei Jasper. Er hatte eine Gabe dafür, die Dinge auseinander zu nehmen und unerwartet neu wieder zusammenzusetzen. Seine Formel, wenn es so etwas überhaupt gab, hieß: Sieh, fühl und erneuere deine Sinne. Er bereitete ihnen einen Boden, auf dem du dich wie ein Kind erstaunt, neugierig und wohlig wieder fandest. Er lehrte das archaische Gedächtnis der Zunge und füllte es mit der Magie seiner Gewürze, und er ließ sich fürstlich dafür bezahlen.

Ein Stern mehr brachte ihn weiter nach oben, und bald waren auch jene da, die sich zuvor über ihn mokiert hatten. Auch Erik, mein ehemaliger Mann. Sprach ich ihn darauf an, gab er zur Antwort, ich würde die Spielregeln nie begreifen. Dazu müsse man in die obere Gesellschaftsschicht hineingeboren sein. Ich solle nicht kommentieren, wovon ich nichts verstünde. Was Erik aber nicht daran hinderte, mich mitzunehmen, wenn er mit Geschäftsfreunden einen Abschluss feiern konnte. Wir waren oft im Hotelrestaurant. Jasper Philip hatte es bei seiner Übernahme Homo Novus getauft. Indes gab es wirklich Neues. Das Publikum war ein anderes. Auch das Interieur. Es zeigte die deutliche Handschrift eines Innenarchitekten, der damit vertraut war, Individuelles so zu arrangieren, dass beliebige Elemente entstanden. Jeder konnte sich wohl darin fühlen, vorausgesetzt er war in der Lage, dafür zu bezahlen. Mit anderen Worten, man blieb unter sich, war zu Hause in Apricot und Chamois, in Ledersesseln und Chippendalestühlen. Edelhölzer für die Tische und Stühle, dort wo man seinen Espresso oder Aperitif einnahm, Seidentapeten an den Wänden, die in einer Stuckgalerie gipfelten, von der noch immer der Reichtum unsichtbarer Ahnen zu rieseln schien. Und dann das Personal. Man servierte virtuos, begrüßte die Gäste mehrsprachig und erstarrte ansonsten diskret in den Säulengängen, um nur keine Indiskretion zu begehen oder gar nach außen dringen zu lassen. Der Ton des Raumes war von einer künstlich gedämpften Eleganz, den Atem holte man sich aus einer Wolke von Dior und Armani, und die Worte waren temperiert, als habe man sie auf Zimmerwärme heruntergekühlt. Jeder wusste, hier tafelte man nicht, um Geschäfte zu machen, sondern um Erfolge zu feiern. Die gedrosselten oder geschärften Zahlen lagen in den Luxuslimousinen zwischen Aktendeckeln, bewacht von Chauffeuren, die stolz ihre Uniformknöpfe im Lack spiegeln ließen. Dies war meine Welt geworden, mein Ersatz für die verlorene Kindheit, die Jasper mit seinen Speisen wieder heraufbeschwören konnte, um sie mich dann nur schmerzlicher vermissen zu lassen. Eine seiner Besonderheiten war das Amuse-Gueule. Für die Frauen, ich wusste damals noch nicht, dass es nur für Einzelne galt, gab es eine feine rote Pfeffermischung darüber, den Männern wurde die schwarzgraue Variante gereicht. Ich liebte Jaspers Kunstfertigkeit, ein Gericht aussehen zu lassen, als hätte es Kandinsky gemalt, und es holte mich in die Realität zurück, dass Erik es nicht wahrnahm, weil er sich damit beschäftigte, die anderen Gäste zu taxieren: den Chefarzt der Klinik, der von Leber oder Galle oder verstopften Kanülen erzählte, oder einen fremdländischen Geschäftsmann, der sich damit brüstete, schon mehr Schusswunden gesehen zu haben als die ganze Pathologie zusammen. Und dass sich jener nicht mehr in seine Heimat getraue, weil er wohl für einige Schüsse selbst verantwortlich sei. Erik nahm den Klatsch zum Anlass, seine Gäste zu unterhalten. Nicht einer war darunter, der es mit Blicken auf den Teller belassen hätte.

Mir gegenüber hing ein goldgerahmter Spiegel. Dort saß ich und starrte das bleiche Gesicht an, das sich mir zeigte, das mir fremd war, weil ich die Farben der Augen nicht mehr erkennen konnte, wegen der Brechung des Lichts oder der Schwärze des gealterten Silbers, vielleicht auch, weil Jasper mir zu nahe gekommen war. Erik und ich hatten uns im Restaurant verabredet, dann aber kam, wie so oft, sein Anruf, er sitze fest, am Flughafen oder in irgendeinem Meeting, und komme erst anderntags. Ich ging dann immer, ohne bestellt zu haben. Dieses Mal blieb ich, vielleicht weil Jasper gerade in diesem Moment aus der Küche trat, um die Vorspeisen zu servieren. Ich ließ ihn gewähren, als er mir die Hand auf die Schulter legte und darum bat, nach dem Essen auf ihn zu warten. Mit jedem Gang wuchs meine nervöse Ungewissheit, aber ich erinnere mich noch immer an den samtigen Geschmack des Fisches. Auch daran, wie Jasper mich später hastig entkleidete, und ich daran dachte, dass er mit demselben Gesichtsausdruck einer Artischocke die gepanzerte Hülle abriss, um an das Herz zu gelangen. Am nächsten Morgen nahm er mich zum ersten Mal auf den Großmarkt mit. Er sprach während der Fahrt darüber, was am Abend auf der Menükarte stehen würde. Zwischen den Ständen bat ich ihn, mir eines seiner Kochbücher zu signieren, das ein Händler ausgelegt hatte. Er nahm es, tauchte die fein gespitzte Feder einer Taube in die Tinte des Octopus, schrieb dann Für Maria. Er ging zum Fischbecken, ließ mich stehen. Marion, sagte ich leise, aber er hörte mich schon nicht mehr. Seine ganze Aufmerksamkeit galt längst einem Hummer, der mit seinem ungleich großen Scherenpaar hilflos durch die Luft fuhr. Das Buch steckte ich ein, es würde mich nicht verraten. Danach sahen wir uns öfter. Ich drängte Erik, seine Gäste in ein anderes Lokal zu führen. Er ließ, da er keinen Grund erkannte, meine Einwände nicht gelten. Steif behauptete er, kein Koch werde dem Fisch oder Fleisch so gerecht wie Jasper. Er koche wie ein Gott, und er verehre ihn.

An einem Abend kam Jasper wie immer an unseren Tisch, um seine Kochkünste feiern zu lassen. Er begegnete meinem Mann zuvorkommend, sah mich lachend an. Wieder einmal ging es um die Gewürze, deren Basis der rote Pfeffer war, wie Jasper es ausdrückte. Weitere Geheimnisse gebe er unter keinen Umständen preis. Außerdem wisse er sie selber nicht, zumindest nicht im Detail. Jasper hob theatralisch die Arme, aber keiner glaubte ihm. Damit sei doch ein gutes Geschäft zu machen. Ob Erik es war, der das sagte, weiß ich nicht mehr. Aber ich wusste, dass er immer sofort dann Witterung aufnahm, wenn sich ein Produkt noch nicht um den Erdball verbreitet hatte. Jasper wehrte ab. Die Mischung gehöre ihm, sie sei sein Kapital und mindestens genauso sicher verwahrt wie die Rezeptur von Coca Cola. Womit er endgültig Eriks Jagdfieber geweckt hatte. Von da an verbrachten wir fast jeden Abend im Homo Novus.

Wir bekamen unseren Platz, unantastbar wie ein Chorgestühl im Dom. Die beiden wurden einander auf eine monströse Weise wichtig, jeder des anderen Konkurrent. Und für Erik bedeutete es darüber hinaus die Aufnahme in eine Kaste, die sich zur Begrüßung nur noch über die Schulter hauchte, da der Kuss auf die Wange schon Einzug gehalten hatte in die scène ordinaire. Bald vereinbarten sie, ich wurde nicht gefragt, den Urlaub gemeinsam in Norwegen zu verbringen. Erik und ich sollten vorausfahren, Jasper käme später nach, weil er sein Lokal nur für kurze Zeit schließen könne. Er besaß dort ein Ferienhaus, wir sollten in der Nachbarschaft untergebracht werden. Mit einigen Flaschen Dom Perignon wurde der Plan besiegelt. So kam ich zu Sverre, aber damals war es für mich nur Norwegen. Es war mir immer gleichgültig gewesen, wo wir die Urlaube verbrachten, weil von den Ländern, die wir im Lauf unserer Ehe besuchten, nie mehr als die Hotelanlage übrig blieb. Der Himmel würde auch dort kein anderer sein.

(S. 5-22)