|
Ein Alter stand Pate der schweigenden Menge trotzte, nicht heftig, dem zottigen Bären Der tanzte und zeigte gestutzte Krallen dem Alten, dem Wind, der
Sonne Ein Gedicht lebt von Wahrheit, nicht von Wolkendichte oder Sonnenstrahlen ein Gedicht ist der Fußabdruck im Sand, ist mehr als Atemzug und Würde Ein Gedicht hängt in Hinterhöfen und Schloßkammern und immer ist es eine Wunde der Zeit Nichts gehört vom steigenden Drachen Ich warte Er bleibt einen Winter weg den Sommer Ich warte und sende Boten aus - Tagediebe, die mich ausbluten - Und höre dann von Kindern er hat die Nacht berührt, ging in die Legende ein vom nie zurückkehrenden Traum Nie im Kinderhaus gelebt von Schneckengeburten zum Wintereinbruch gezogen, trägst abgelegte Häute jener die Lichtkegel suchten Dort die Tanzbären Zart schimmern ihre Tatzen und Widerworte prallen gegen dickes Fell. Mußt heiter werden, Geselle - sie wirbeln dich schon für einen schwachen Augenblick zu Tode Nicht mehr am Domplatz werden Tagebücher ausgebreitet Treppen, die hinunterführen zum Fluß sind versteinert davon mit Unrat schlingern Restworte zu Schleusen, wo Wärter die Staken gelangweilt, so gelangweilt, ans sichere Land ziehn. Einer räkelt sich müde Einer spricht auf sie ein Und einer betrachtet sie wie ein Fenster, das zum Hof führt Einer beschwört sie Einer bittet um Brot Und ein anderer blickt schweigend zur Seite als sie aufsteht die Tür zu öffnen Einer hat ein Gewehr ein anderer ein Skalpell und einer die Lohntüte mitgebracht Einer nimmt ihre Hand Einer zerbricht ihre Worte und ein anderer hastet mit ihrer Haut davon Einer legt sich zu ihr Einer würfelt mit ihr und einer geht ans Meer mit ihr Einer zielt mit einem Stein Einer trifft ihr Auge Einer weint und ein anderer mauert ihr Haus zu aus: Texte. Lyrik und Kurzprosa, Dillmann Verlag 1989. |